In Basel ist der Sitz von Syngenta, dem größten Pflanzenschutzmittelhersteller der Welt, vormals bekannt unter dem Namen Ciba Geigy. Nachdem das Traditionsunternehmen vor Jahresfrist noch einen  Übernahmeversuch durch die amerikanische Monsanto abgewehrt hatte, soll es nun für 43 Milliarden Dollar in Bar an die chinesische Staatsfirma Chem China verkauft werden. Die Nachricht betrübt und stimmt nachdenklich. Hier zeigen sich volkswirtschaftliche Veränderungen von historischer Bedeutung.

Vor 35 Jahren begann meine Berufstätigkeit bei der Schering AG in Berlin, Schering war damals eines der führenden Pharma- und Pflanzenschutzunternehmen in Deutschland und der Welt, ein forschungsstarker Pionier auf vielen Gebieten. Patente und Innovationen waren Wissenschaftlern zu verdanken, die dem deutschen Bildungssystem und den damals weltbesten Universitäten entstammten. Deren Leistungen führten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu bahnbrechenden neuen Produkten. Aber schon in den 80er Jahren begannen wichtige Patente auszulaufen, zugleich wurde die Forschung immer teurer und weniger ergiebig. Die Branche hatte ihren Zenit überschritten, ein Konzentrationsprozess setzte ein.

In der ersten Hälfte der 80er Jahre war Schering noch auf der Überholspur und hatte gerade selbst mit FBC in Cambridge ein englisches Unternehmen übernommen, die Pflanzenschutzaktivitäten der Traditionsunternehmen Fisons und Boots. Nur wenige Jahre später wurde die Pflanzenschutzsparte von Schering von der Hoechst AG übernommen, die dann ihrerseits bald darauf mit der französischen Rhone Poulenc fusionierte. Einige Jahre darauf wurde dieses Konglomerat von der Bayer AG geschluckt. Übrig sind in Deutschland nur noch zwei weltweit tätige Pflanzenschutzhersteller: Bayer und BASF.

Als Produktionsstandort ist Europa für Chemieunternehmen schon lange ein schwieriges Pflaster. Als Forschungsstandort hat Europa ebenfalls an Bedeutung verloren. Wo geforscht, entwickelt und produziert wird, wird von den Unternehmungsführungen und letzlich von den Eigentümern entschieden. Bisher wurden diese Entscheidungen bei europäischen Unternehmen auch noch in und für Europa getroffen.

China ist im Laufe von zwanzig Jahren wirtschaftlich erstarkt. Mit günstiger Herstellung von Massenware für den Verbrauch in der ganzen Welt, vor allem aber in den USA, hat es gewaltige Devisenreserven angehäuft. Die Chinesen haben erkannt, dass die Währungspolitik ihrer hochverschuldeten Kunden in den Ländern des Westens zu Inflationierung und Entwertung führen wird. Bevor es so weit kommen kann, wird China die eigenen Ersparnisse einsetzen, um Technologie und Sachwerte zu erwerben.

Die chinesischen Staatsunternehmen erhalten die dafür notwendigen Finanzmittel von den ebenfalls staatlich gelenkten chinesischen Banken. Die export- und umsatzhungrigen Europäer sind beseelt von der Hoffnung auf besseren Zugang zum chinesischen Markt. Die chinesische Führung denkt langfristig und betreibt die Verlagerung von Wirtschaftsmacht und Entscheidungen nach China. Geschäftspolitik und Investitionen dieses steuerzahlenden Weltmarktführers werden über kurz oder lang chinesischen Interessen folgen, wenn die USA nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen. Ein chinesischer Weltkonzern kann sich der Kontrolle durch  europäische Umwelt- und Steuergesetzgebung entziehen.

Wohl mag ein stattlicher Kaufpreis in europäische Kassen und Steuertöpfe fließen. Aber wird das Geld hierzulande noch produktiv investiert – oder von gealterten Wohlfahrtsstaaten verspekuliert und verfrühstückt? Die teure Spekulation auf Wohlstandssicherung durch Masseneinwanderung wird mit Sicherheit nicht aufgehen.  Europa exportiert Technologie und Expertise und importiert Papiergeld und Analphabeten. China importiert Sachwerte und Wissen und trennt sich dafür von Ramsch und Papiergeld. Man muß den Eindruck haben, dass die chinesische Politik klüger ist als die europäische.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen