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Introduction

In loving memory of my father Jürgen Ziegler who in early years began to work on the family history. Many documents were lost together with his parents home and most of the family belongings in several bomb attacks that completely destroyed the city of Wesel in February 1945. The text of one family chronicle was saved only because my father had copied it by hand when he was sixteen years old.


Jürgen Ziegler – Teil 2, Der Krieg

Um fünf Uhr in der Frühe war der Gestellungsbefehl gekommen, gegen neun Uhr war Abfahrt nach Dievenow auf der Insel Wollin in Pommern zur Seeaufklärungsgruppe 806. Als ich ankam, war die ganze Gruppe schon nach Pillau verlegt worden. Am folgenden Tag konnte ich mit einer nachfliegenden HE 60 hinterherreisen. Der Flug in der zweisitzigen Seemaschine war unruhig; da sie aber offen war, wurden für einen empfindlichen Magen keine Tüten gebraucht. Die Seeaufklärungsgruppe 806 blieb während des Polenfeldzuges in Pillau und hatte keine Verluste. Es gab auch keine größeren Einsätze. Der Gruppenkommandeur Oberstleutnant von Wild hatte die Idee, dem polnischen Admiral von Unruh einige Bomben auf dessen Schiff zu werfen, das in einem Hafen auf der Halbinsel Hela liegen sollte. Er selbst flog als Flugzeugführer, als Beobachter hatte ich die Bmbe zu werfen. Die benutzten Bomben wurden erst ab 400 m Fallhöhe scharf, wegen der besseren Treffsicherheit ging der Flugzeugführer jedoch im Sturzflug viel tiefer herunter, so daß die Bombe, die aus 30 oder 40 m Höhe geworfen wurde, keinen Schaden anrichten konnte. Ärgerlich war nur der Verlust des Funkcodes, der beim Sturzflug von meinen Knien außenbords gegangen war. Im November 1939 wurde ich zum Leutnant befördert. Im Winter 1939/40 lag die Gruppe in Brüsterort auf der Halbinsel Samland. Dort entstand die enge Freundschaft mit Detlev von Davidson. Es war ein sehr kalter Winter mit meterhohem Schnee und es konnte kaum geflogen werden. Während andere Offiziere sich die Zeit mit Würfeln und dem Genuß geistiger Getränke vertrieben, machten Detlev und ich ausgedehnte Wanderungen. Nach dem Polenfeldzug war die Seeaufklärungsgruppe 806 zunächst nach Ueterssen verlegt worden. Damals wurden Maschinen des Typs... mehr lesen

Jürgen Ziegler – Teil I, Kindheit und Jugend

  Aus den Erzählungen meines Vaters Jürgen Ziegler: Am 11. Januar 1913 wurde ich in der Flutgrafstraße 5 in Wesel als viertes von fünf Kindern geboren. Meine Eltern Arthur und Elisabeth Ziegler, geb. Marioth, waren strenggläubige Protestanten; die Familien der Großeltern Ziegler und Marioth waren einander aus der Weseler Freien Gemeinde gut bekannt und hatten die Heirat ihrer Kinder arrangiert. Großvater Marioth bekleidete das Amt des Vorsängers in der Freien Gemeinde. Die Großeltern besuchten jeden Sonntag zwei Gottesdienste. In der Familie hatten sich viele pietistische Sitten erhalten. Vater las jeden Morgen die Losung der Brüdergemeinde. Am Silvesterabend durften bis 24 Uhr nur christliche Lieder gesungen und aus der Bibel gelesen werden, erst danach durfte die Fröhlichkeit beginnen. Mein Vater Arthur Ziegler verstand sich in erster Linie als Preuße und bedauerte es, dass das alte Preußen im deutschen Kaiserreich aufgegangen war. Gewählt wurde deutschnational. Die spätere Machtergreifung der Nationalsozialisten betrachteten die Eltern mit Skepsis. Zur Zeit der Spartakistenaufstände Anfang der 20er Jahre verbrachte Hajo (der ältere Bruder) manche Nacht mit der Weseler Bürgerwehr im Schützengraben. Meine erste politische Tat bestand darin, zur Reichstagswahl 1932 auf dem Gelände des zur Firma Ziegler gehörenden Holzplatzes ein Schild mit der Aufschrift „Wählt Hindenburg!“ anzubringen. (Schwester) Lore musste schon in den zwanziger Jahren vor dem Wahllokal Flugblätter der Deutschnationalen verteilen, was sie sehr ungern tat. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg ging es der Familie recht gut. Mutter wurde im Haushalt von einem Mädchen bzw. einer etwas höhergestellten „Stütze der Hausfrau“ und einer Putzfrau unterstützt. Vater führte zusammen mit den Brüdern Heinrich und Carl das Zieglersche Baugeschäft, das Großvater Heinrich Ziegler 1867 zunächst... mehr lesen

Familienbild Heinrich und Caroline Ziegler, geb. Kock

Urgroßvater J. G. Chr. Heinrich Ziegler hatte 1867 als Zimmermann in Wesel ein Baugeschäft gegründet und im selben Jahr geheiratet. Seine Frau Caroline entstammte einer angesehenen Handwerkerfamilie in Wesel ; ihr Großvater Johann Diederich Heinrich Kock hatte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Chronik verfasst, deren Abschrift erhalten ist. Das Original ging mit der Bombardierung Wesels im Februar 1945 verloren, zusammen mit den Häusern der Vorfahren und 97 % des Firmenvermögens. Die Aufnahme könnte 1917 aus Anlass der goldenen Hochzeit der Urgroßeltern entstanden sein. Ganz rechts im Bild Liesel (Elisabeth, 1904-1989) neben ihrem Vater Arthur Ziegler (1874-1958), meinem Großvater. Links neben seinem Vater Liesels älterer Bruder Hajo (Hans Joachim, 1903-1935), links vor diesem die jüngere Schwester Ulla hinter ihrer Mutter Elisabeth, geb. Marioth, meiner Großmutter (1877-1956). Sie sitzt neben dem Urgroßvater und hält meinen Vater Jürgen Ziegler (1913-2005) an der Hand. Der etwa gleichalte Junge vor dem rechten Knie des Urgroßvaters dürfte sein Vetter Wilhelm Ziegler sein, der nach dem 2. Weltkrieg den Rest des Familienunternehmens führte. Links neben dem Urgroßvater steht Lore (Leonore, 1907-1998), ebenfalls eine Schwester von Hajo, Liesel, Jürgen und Ulla.... mehr lesen

Zieglers kommen nach Wesel

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen zwei Brüder Ziegler aus Rheinhessen nach Wesel. Der ältere der beiden mag als Bäckergeselle auf Wanderschaft gewesen sein, als er sich in Wesel in die Tochter eines Meisters verliebte, die er alsbald heiratete. Einige Jahre später holte er dann seinen jüngeren Bruder nach, für den sich in Wesel ebenfalls eine gute Partie in Gestalt einer hübschen Bäckermeisterstochter mit vakanter Meisterstelle gefunden hatte. So könnte es sich zugetragen haben. Es ist allerdings nicht bekannt, ob die Bäckerstochter besonders hübsch oder ob große Liebe im Spiel war – ausgeschlossen ist es nicht! Wichtiger als Gefühle und Äußerlichkeiten waren bei der Familiengründung damals die Herkunft aus dem gleichen Stand, Konfession, Tüchtigkeit, familiäre Interessenlage und praktische Erwägungen. Wenn sich in einer glücklichen Ehe auch noch Liebe und Kinderreichtum einstellten, war dies dem Segen der Kirche und des Allmächtigen zu verdanken. Johann David Christian Ziegler gebürtig aus Uelversheim 1774 kam vor 1799 nach Wesel, da die Trauung 1799 Juni 24 stattfand. Er war reformierter Konfession, seine Frau Johanna Sybilla Krüger lutherisch. Die Trauung fand in der reformierten Willlibrordi-Kirche statt, die Taufen der ersten beiden Kinder in der lutherischen kleinen Kirche, die der nachfolgenden weiteren zehn Kinder in der reformierten Mathena Kirche statt. Das lässt Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten wegen der Konfession der Kinder vermuten.  Die Eheleute scheinen nicht arm gewesen zu sein, denn das Haus Korbmacher-strasse Nr. 529, in dem die Bäckerei betrieben wurde und das 1812 Eigentum ist, war ein stattliches neues Haus. Es ist das Haus Beguinenstrassen mit der Front zur Korbmacherstrasse, das noch heute steht mit Bäckereibetrieb und die Jahreszahl 1751 trägt(?). Johann David Christian... mehr lesen